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Öko und Bio ist vielen nach wie vor wichtig, doch kommen mehr und mehr zusätzliche Wünsche vonseiten der Konsumenten. Die Produkte sollen neben ökologischen auch ethischen Ansprüchen genügen, sozial verträglich erzeugt und fair gehandelt werden. Zwar hat die Naturkostbranche diese Kriterien von Anfang vertreten, doch mit wachsender Diversifizierung des Marktes ist Profilierung und vor allem die Kommunikation dieser Zusatznutzen notwendig. Der Verbraucher will Transparenz und klare Regeln, an denen er sich orientieren kann. Seit September 2007 ist das Verbraucher-Informationsportal new ethics online. Wir sprachen mit Rainer Plum, einem der Gründer, über die Positionierung des Portals und die weiteren Vorhaben.

Bild rechts: Rainer Plum

Ethischer Konsum, strategischer Konsum, nachhaltiger Konsum – was ist dran an den neuen Schlagworten und wie positioniert sich new ethics?

Diese Begriffe fassen die grundlegenden Werte der Naturkostbewegung zusammen, da u.a. biologischer Anbau, werterhaltende, schonende Verarbeitung, soziale Verantwortung und fairer Handel schon lange zu den Kerninhalten der Branche gehören. Hier wurde Lebensförderung und Ressourcenschonung schon praktiziert, als die konventionelle Industrie noch nicht mal wusste, wie man Bio, Nachhaltigkeit oder CSR buchstabiert. Und wir haben das alles aus eigener Kraft entwickelt, ohne staatliche Hilfen, ganz im Gegenteil. Nicht so wie heute, wo z.B. die „Bio-Aktionswochen bei Karstadt“ aus dem Bundesprogramm Ökologischer Landbau gefördert werden und das bei einem Konzern, der gerade mal „schlappe“ 4,9 Milliarden Euro Umsatz (2006) macht!!
new ethics will Orientierungshilfen beim Konsum in der „schönen neuen Bio- und Lohasen-Welt“ geben, den KundInnen aufzeigen, wo echte, gelebte, nachprüfbare ethische Werte Grundlage von Unternehmen sind oder wo nur „Greenwashing“ und „Bio-Bauernfängerei“ a la „Schauma Bio Shampoo Granatapfel“ betrieben wird.

Die 12 new ethics Regeln stehen auch für ein Produkt-Siegel. Ist das schon auf Produkten von Naturkost-Herstellern zu sehen und wie wird die Einhaltung kontrolliert?

Derzeit nutzen bereits zwei Unternehmen das new ethics Premium Gütesiegel: Von Voelkel sind seit Anfang Juni Bio-Zisch Orange und Bitterlemon in den Regalen des Naturkost-Fachhandels zu finden. Und die junge Modedesignerin Inka Koffke (Bild) versieht ebenfalls seit Mai ihre Premium-Sommerkollektion „Organic Couture“ mit unserem Label. 

Im Sommer werden wir mit unseren Beiräten Katharina Schaus (Itfits), Rolf Pfeifer (Forum anders reisen) und Martin Rombach (Prüfverein) alle bisherigen Maßnahmen bewerten. Wir werden neben dem Prinzip der Selbstverpflichtung auf die 12 Regeln auch eine klassische Zertifizierung entwickeln: Weitere Differenzierung der Regeln, externe Prüfung, Sanktionsmaßnahmen. Für uns ist jedoch die Selbstverpflichtung, die von vielen nicht als scharfes Schwert verstanden wird, wichtig und unverzichtbar. Denn hinter jedem Unternehmen stehen Menschen, die dafür einstehen sollten, dass das, was sie sagen und tun, Wert hat, sie sich daran messen lassen und worauf sich ihre Kunden verlassen können. Eine alte kaufmännische Tugend namens “Handschlag-Qualität“!

New ethics präsentiert Unternehmen aus der Bio-Branche auf der Web-Site. Sind sie Anwärter für das new ethics Label?

                                                                                                                      Woche für Woche gehen neue Anfragen ein und das Interesse an einem ganzheitlichen Gütesiegel wie new ethics wächst bei allen Beteiligten, sowohl bei den vorhandenen new ethics Partnern wie auch bei Neuanfragen. 

Was kann new ethics dem Naturkost-Fachhandel bieten?

Einzelhändler können jetzt schon für einen kleinen Jahresbeitrag ihr Geschäft bei new ethics in der Rubrik „Händler finden“ vorstellen. Außerdem sprechen wir zurzeit mit den new ethics-Partnern darüber, wie ein Dachkonzept für verkaufsfördernde Aktionen, z.B. als Promotion, aussehen muss. Vorstellbar und wünschenswert ist auch, dass Einzelhändler oder noch besser ein Verbund von Einzelhändlern sich in Kooperation mit new ethics zu einer wertebasierten Marketingaktion zusammentun. Wir stellen unsere wertebasierten Ideen als Angebot zur Diskussion und das, was am stärksten resoniert, wird umgesetzt.

Was plant new ethics noch für dieses Jahr?

Die new ethics Akademie wird am 10. September in Frankfurt eine eintägige „Strategietagung Naturkosmetik“ durchführen. Das wird sicherlich eine sehr interessante und wegweisende Veranstaltung, da wir uns ausschließlich an die Zielgruppe Naturkost-Fachhandel wenden und darauf die aktuellen Themen ausgerichtet und die kompetenten Vortragenden ausgewählt haben. Das Ganze zu einem sehr attraktiven Preis von Euro 290,- inklusive Bio-Verpflegung, vor allem wenn man das mit den sonst üblichen 1.500.- bis 1900.- Euro für die gängigen zweitägigen Kosmetiktagungen vergleicht. Vom 2. bis 4.11.08 veranstaltet die Naturkost-Akademie in Kooperation mit new ethics und dem BNN Einzelhandel in Berlin eine zweitägige „Zukunftskonferenz des Naturkost-Fachhandels“. Unter dem Motto “Bio in Bewegung“ geht es u.a. um die Themen Entwicklungschancen, Profilierung, Mutmacher, Zusammenarbeit, wertebasierte Unternehmensführung, Partner des Fachhandels, Einzelhandelsverbund. Dazu mehr Mitte Juli. Außerdem arbeiten wir derzeit auch mit einem sehr kompetenten Medienpartner an einem TV-Konzept für ein „new ethics TV-Magazin“. Und für 2009 haben wir ein weiteres wirklich starkes und herausforderndes Projekt in der Planung.

Was hat new ethics zu diesen Veranstaltungen veranlasst?

Wir sind der festen Überzeugung, dass es in der kommenden Phase der Marktentwicklung ein Bewusstsein für klares strategisches Handeln und richtig viel Power für die Repositionierung des klassischen Fachhandels braucht. Als Naturkost-Branche haben wir drei bis vier erfolgreiche Jahrzehnte des Wachsens hinter uns, erfolgreich auch in der positiven Einflussnahme auf die Gesellschaft. Auf das Geleistete können wir zu recht gemeinsam stolz sein. Früher waren wir alleine bio, jetzt sind alle bio. Die Branche ist gegenwärtig dabei, sich wieder vermehrt auf die in der Vergangenheit gelebten Werte zu besinnen. Bei diesem Prozess der “Neu-Ausrichtung” und Repositionierung will new ethics der Branche ein Sparringspartner sein. Die Auseinandersetzung mit new ethics bietet die Chance, die eigenen Stärken zu erkennen und sich durch die stetige Fortentwicklung der Werte und deren Kommunikation zu profilieren. Strategische Priorität ist, die Potenziale zu erkennen und lösungsorientiert umzusetzen.

Und das herausfordernde Projekt für 2009, wird da schon mehr verraten?

Ich kann soviel verraten: Aus den vielen Kontakten mit allen Beteiligten aus der Branche hat sich bei mir der Eindruck verstärkt, wie wichtig es wird, als „einheitliche“ und wertebasierte (Naturkost)Branche den KundInnen, der Gesellschaft und den Medien gegenüber aufzutreten. Den Luxus der hochgradigen Individualisierung aus der Vergangenheit können wir uns in Zukunft nicht mehr leisten. Um das gemeinsam zu tun, brauchen wir wieder vermehrt gemeinsame kulturelle und gesellschaftspolitische „Happenings“ wie in den 70iger und 80iger Jahren („Körnerkraft statt Kernkraft!!“), die unsere bunte Vielfalt und Kreativität unter eine gemeinsame „Fahne“ stellen.

Wird es für „Internetmuffel“ Printmaterial von new ethics für die Kunden in den Fachgeschäften geben?

Ein Flyer kommt im Herbst nach unserem Partnerforum. Für onlinefähige und onlinewillige Menschen bietet unsere Web-Site die wichtigen Informationen und Eindrücke. Um new ethics bekannter zu machen, werden wir Motivkarten auflegen, die im Fachhandel angeboten werden können. Auf diesen Karten wird auf www.new-ethics.com, das Ökoportal für ethischen Konsum und damit auf seine Partner hingewiesen.

Anmeldung und detaillierte Informationen zur Strategietagung Naturkosmetik hier.


Das Interview führte Karin Heinze für
Biomarkt.Info.

Das Interview ist zum Teil übernommen aus der BNN-EH-Brancheninformation

18.07.2008